Orphanage Ntoma
In Afrika hat sich das Aids-Virus in den vergangenen Jahren erschreckend schnell ausgebreitet. Tansania gehört zu den am stärksten betroffenen Ländern. Es gibt dort aktuell etwa 4,2 Millionen Aidswaisen. Sofern nicht ein wirksames und günstiges Medikament gegen den Virus entwickelt wird, kann man davon ausgehen, dass laut Hochrechnungen bald jedes dritte Kind in dem ostafrikanischen Land dann ein Waise sein wird.
Das Waisenhaus liegt auf einer Halbinsel am Viktoria-See. Seit 1950 werden dort Säuglinge und Kleinkinder aufgenommen und gepflegt. Ihre kurzen Lebensgeschichten sind alle sehr tragisch, insbesondere seit Aufkommen der Aids-Epidemie, denn häufig sterben beide Elternteile zur Folge dessen. Nicht selten verblutet sogar die Mutter bei der Geburt ihres Kindes, weil bei auftretenden Komplikationen die Transportmöglichkeiten ins weit entfernte Gesundheitszentrum fehlen. In dem Fall versuchen die Großeltern oft ihre Enkel zu versorgen, sind damit aber schnell überfordert, denn es fehlt auch ihnen neben dem Notwendigsten zum Leben vor allem an Milch.
Die Kinder verbleiben etwa bis zu ihrem dritten Lebensjahr im Kinderheim. Danach gehen sie nach Möglichkeit zurück in die Grossfamilie. Durch das erdrückende Aidsproblem gibt es diese aber immer weniger. Die Kinder werden dann an Adoptiveltern vermittelt oder von Familien in der Gemeinde aufgenommen. Es handelt sich dabei häufig um Witwen mit eigenen Kindern, die selber keinerlei Einkommen haben. Das Kinderheim und die kleine Kirchengemeinde bemühen sich zusätzlich, diese Familien zu unterstützen, jedoch gibt es bis heute immernoch keinerlei staatliche Mittel weder für das Heim noch für die Gemeinde. Zur Zeit gibt es in Ntoma fast 600 Waisen, die über 11 Hüttendörfer aufzufinden sind. Das Kinderheim selbst betreut etwa 30 Säuglinge und Kleinkinder. Die Neuaufnahmen sind oftmals Neugeborene, die irgendwo im Busch gefunden werden.
